“Deutschland Lagerland!” Teil 3

Am Samstag endete die “International Refugee Human Rights Tour” in München – Teil 3 eines Tourberichtes

Dritte Station: Landshut

Am Mittwoch machte die “International Refugee Human Rights Tour” in Landshut Station. Den Auftakt bildete hier eine Demonstration gegen Sozialabbau und rassistische Ausgrenzung durch die Innenstadt. Dabei ging es vorrangig um eine umfassendes Bleiberecht. Im Herbst soll auf der Innenministerkonferenz in Nürnberg eine Bleiberechtsregelung beschlossen werden. Gastgeber Beckstein spricht sich schon im Vorfeld für eine äußerst enge Auslegung aus. Außerdem forderten die DemonstrantInnen erneut die Schließung der Asyllager, die “moderne Gefängnisse des Flüchtlingslagersystems” darstellten. Viele RednerInnen betonten während der gesamten Tour, dass sie keine Tiere sondern Menschen seien und auch entsprechend behandelt werden wollen. Die zwei Gebäude des Landshuter Lagers sind ein einem erbärmlichen Zustand und darüber hinaus in direkter Nachbarschaft zu einem von Rechtsradikalen bewohnten Sozialwohnungsbau.

Am abendlichen Fest im Landshuter Infoladen verschärfte sich die bereits in Neuburg begonnene Debatte um sexistisches Verhalten und Alkoholverbot. Der erneute Entschluss der an der Bar arbeitenden Frauen, den Alkoholausschank nach Vorfällen sexueller Belästigung einzustellen, wurde von einigen Männern ignoriert, mit der Folge weiterer Vorfälle, einer schlaflosen Nacht und einer Prügelei beim Schlafplatz, die zu einem ersten Rauswurf führte.

Am Morgen herrschte folglich eine angespannte Stimmung, erneut mussten die Aktivistinnen (!) ihre Entscheidung rechtfertigen, während nicht wenige Männer den Vorwurf sexistischen Verhaltens von sich wiesen oder herunterspielten. Die Auseinandersetzung gipfelte vorläufig im Vorwurf, die Anschuldigungen seien rassistisch motiviert – ungeachtet der Tatsache, dass sie sich nicht an eine bestimmte Gruppe von Männern oder Einzelpersonen mit bestimmter Herkunft richteten. Nach zwei Stunden Diskussion wurde ergebnislos abgebrochen, da die “Fronten” verhärtet schienen und weitere Aktionen in der Innenstadt anstanden.

Diese konnten jedoch kaum erheitern, da auch das Wetter mit Regenschauern seinen bisherigen Tiefpunkt erreichte. Während die Kundgebung vor dem Landshuter Rathaus gegen die Zwangsunterbringung von Flüchtlingen in Sammellagern so gut wie ins Wasser fiel, wurde das Audioballet komplett nach innen verlegt. Dieser “Subversiv-kreativ-kollektiv-individueller Protest gegen Lagerunterbringung” fand im Landshuter “City-Center” statt. Mit mp3-Playern ausgestattet, verteilten sich fast drei Dutzend AktivistInnen im Einkaufszentrum und befolgten die Anweisungen aus den Kopfhörern. Dabei wurden die “Ferngesteuerten” aufgefordert, Fluchtszenen und Situationen des Flüchtlingsalltags in Deutschland nachzuspielen. Dazu wurde die “Lagerland-Zeitung” im Haus verteilt. Die chaotische Aktion kam bei PassantInnen sehr gut an, das Interesse an Tour und Zeitung war groß. Auf die vom Sicherheitsdienst gerufene Polizei wollte jedoch keinEr mehr warten.

Die vorangegangene Kontroverse konnte auch am Abend nicht beendet werden, weil einige Aktivisten trotz einer deutlichen Erklärung der Frauen partout nicht einsehen wollten, dass die Definitionsmacht für sexistische Anmachen ausschliesslich bei den Frauen liegt und die Ignoranz entsprechender Entscheidungen wie Alkoholverbote diskriminierend ist. Andere spielten solche Belästigungen herunter und wollten lieber über das Anliegen der Tour reden. Die fast allabendliche Party fiel aus.

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