Auf “Volksfront”-Kurs

Ein Überblick über neofaschistische Aktivitäten in München/Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Oberpfalz aus der Zeitschrift “Lotta” (Nr. 19, Winter 04/05)

Im “Freistaat” Bayern, wo es nach dem von Franz- Josef Strauß vorgegebenen und von Edmund Stoiber wiederholten Dekret “keine Partei rechts von der CSU” geben darf, machen neofaschistische Aktivitäten seit Jahrzehnten bundesweit und international Schlagzeilen. Sei es die “Wehrsportgruppe Hoffmann” unter Karl-Heinz Hoffmann, deren Mitglied Gundolf Köhler 1980 zwei Bomben am Eingang des Münchner Oktoberfests zur Explosion brachte (13 Tote, 200 Schwerverletzte), sei es der 5.000-köpfige Groß aufmarsch gegen die Ausstellung “Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht” am 1. März 1997 in München, oder seien es die Planungen der Neonazis um Martin Wiese, die Grundsteinlegung für das neue jüdische Gemeindezentrum in München am 9. November 2003 mit einem Sprengstoff- oder Handgranatenattentat zu verhindern. Die Entwicklung und Aktivitäten neonazistischer Strukturen in der Landeshauptstadt München, den bayrischen Bezirken Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Oberpfalz sind jedoch weder im Fokus des bayerischen Innenministeriums unter Günther Beckstein (CSU), noch sind sie oft selbst aktiven AntifaschistInnen mehr als bruchstückhaft bekannt.

Denkbar wäre es, dass der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt das Konzept der “Volksfront von rechts” aus den bayerischen Verhältnissen gewonnen hat. Schließlich war Voigt (Moosburg an der Isar) ab 1992 mehrere Jahre lang Landesvorsitzender der NPD in Bayern. Zahlreiche kleinere neofaschistische Gruppen sind in Bayern nur durch ihre unbekümmerte Zusammenarbeit über alle vorhandenen Differenzen hinweg handlungs- und aktionsfähig. Einzelpersonen können sich fast problemlos zwischen den verschiedenen Parteien und Strukturen hin und her bewegen oder gleichzeitig in verschiedenen Spektren aktiv sein.

Kristallisationspunkt NPD

Nicht zuletzt durch seinen Wohnort Nürnberg ist der derzeitige NPD-Landesvorsitzende Ralf Ollert (“Bürgerinitiative Ausländerstopp”) eher wenig in den Bezirken aktiv, die in diesem Artikel beleuchtet werden. Dafür stehen hier andere AktivistInnen bereit: Nach dem erfolglosen Versuch, mit dem “Elmsteiner Hof’ in Rheinland- Pfalz für die Neonaziszene eine Immobilie zu erwerben, zog der aus Herzogenrath bei Aachen stammende Sascha Wagner, der Mitte der 90er Jahren die JN-Bundesgeschäftsstelle in Stolberg bei Aachen leitete, ins niederbayerische Salching bei Straubing, von wo aus er als NPD-Bezirksvorsitzender Oberbayern Parteiaktivitäten in Ober- und Niederbayern steuerte. Zahlreiche “politische Gesprächskreise”, “Stammtische”, Vortragsveranstaltungen und Wahlkampfaktivitäten wurden von ihm organisiert und geleitet. Nach dem Europawahlkampf im Sommer 2004 kümmerte er sich ab Herbst als “Landeswahlkampfleiter” jedoch mehr um den Landtagswahlkampf in Sachsen, wo er im Dezember auch als Veranstalter eines Nazi-Konzertes in Mücka auftrat. Einen Job als “Berater” der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag holte sich der Münchner Karl Richter (“Nation & Europa”-Autor), der für die “Verlagsgesellschaft Berg” von Gerd Sudholt am Ammersee tätig war – und übrigens im Film “Der Untergang” einen Nazi-General mimen durfte. Wichtige NPD-AktivistInnen der für die besprochenen Bezirke 13 NPD-Kreisverbände sind u.a. Renate Werlberger (München) und Fabian Wetter (Berchtesgaden) sowie die Bezirksvorsitzende Niederbayern, Gisela Böhmer (Salching). Bis Anfang 2004 hatte sie in Salching das “Gasthaus Oberer Wirt” gepachtet und mit allerlei NS-Devotionalien dekoriert, ein beliebter Ort für Parteiveranstaltungen und Nazi-Konzerte. Die beiden stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Sascha Roß müller (Deggendorf) und Alexander Feyen (Friedberg) eifern derweil mit dem bundesweit bekannten “Schwarze Sonne-Versand” (Rain am Lech) wohl dem Ex- Niederbayern Jens Pühse nach, der seinen CD-Handel “Pühses Liste” in den “Deutsche Stimme” -Verlag der NPD integrierte und beim Bundesvorstand der NPD das “Referat Organisation” leitet. Auch der Ex-JN-Bundesvorsitzende Roßmüller ist mit dem “Referat Tages- und Wirtschaftspolitik” im NPD-Bundesvorstand vertreten. Bevor die NPD mit ihrem Verlagskomplex nach Riesa umzog, war sie auf dem Gelände von Anton Pfahler (Ex- Wehrsportgruppe Hoffmann, Ende 2004 Entlassung aus der wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verhängten Haft) in Sinning bei Ingolstadt untergebracht. Der dort für die Auslandsvertretung der “Nationalen Initiative Schweiz” (NIS) tätige Stefan Göbeke-Teichert fungiert mittlerweile als bayerischer JN-Landesvorsitzender. Zuletzt traten auch die Anführer der “Kameradschaft München I Aktionsbüro Süddeutschland” (Ex- “Kameradschaft Süd”), Norman Bordin (Ottobrunn) und Hayo Klettenhofer (München), in die NPD ein. Dies war auch das Anliegen des Altkaders Friedhelm Busse (Ex- FAP-Bundesvorsitzender, München, noch bis zirka August 2005 in Haft), der 2004 alters-, haft- und krankheitsbedingt seinen “Platz in der Führung des Nationalen Widerstandes” an Bordin übergeben hatte – mit dem Befehl, mit der “Phalanx des Nationalen Widerstandes” – gemeint war die NPD – eng zusammenzuarbeiten.

Die Mitglieder bayerischer “Kameradschaften” haben im Wesentlichen ohnehin kein Problem mit der NPD und arbeiten bereits seit Jahren eng mit dieser zusammen, längst gibt es personelle Schnittmengen bei der Organisierung. Aus den Aktivitäten der NPD in Sinning beispielsweise entwickelte sich ein JN-Stützpunkt Ingolstadt, der ab 2002 unter Hans-Petet; Herrmann (Ingolstadt) als “Kameradschaft Donaufront” auftrat und heute weitgehend personenidentisch als “NPD Ingolstadt” firmiert. Auch die “freien Nationalisten” aus dem “Aktionsbüro Süddeutschland” bzw. dem “Nationalen Widerstand Bayern” um Martin Wiese, Norman Bordin und Rainer Mehr (Ex-Lüdenscheid, zuletzt als Arbeiter in Russland) halfen immer schon bei der Durchführung der Infostände und anderer Aktivitäten der NPD. Dies hat sich aktuell unter Führung von Bordin, Klettenhofer und dem erst 16-jährigen Münchener Thomas Wittke noch gesteigert. Und selbst NPD-Mitglieder, wie Karl Lang (Unterschleissheim), der für die NPD schon 1966 bis 1970 im bayerischen Landtag saß, schließen sich bei soviel Unterstützung wieder an. Der NPD- Landespressesprecher Günther Kursawe (Kronach), der dem 1993 verbotenen “Nationalen Block” (NB) angehörte, beteiligt sich umgekehrt, wie andere NPDler auch, an Kundgebungen und Demonstrationen der “Kameradschaft München”, z.B. an einer Mahnwache zum Gedenken an Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß am 17. August 2004 in der Münchner Innenstadt.

Bis Frühjahr 2004 versuchte die bayerische NPD schwerpunktmäßig, in Senden (Landkreis Neu-Ulm) ein “Nationales Zentrum” zu schaffen, und führte zahlreiche Veranstaltungen unter Leitung des Kreisverbandsvorsitzenden Stefan Winkler (Senden) durch. Unter anderem traten Horst Mahler, Udo Voigt, der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub (Kreuzlingen) und die braunen “Liedermacher” Frank Rennicke, Annett Moeck und Michael Müller auf. AntifaschistInnen scheint es gelungen zu sein, diese Entwicklung, die die Stadt Senden durch kostenloses Überlassen von Plätzen und Hallen gefördert hatte, zumindest vorerst zu stoppen.

Michael Müller (Amberg) vereint als Einzelperson verschiedene Spektren der extremen Rechten: Als Liedermacher tritt er vor allem für die NPD auf. Bei zwei bayerischen Parteiabenden soll er laut NPD- Verbotsantrag der Bundesregierung das Lied “Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an…der Ofen ist noch an…bei sechs Millionen Juden ist noch lange nicht Schluß…” vorgetragen haben. Gleichzeitig fungierte er unter Martin Wiese im “Aktionsbüro Süddeutschland” als Kontaktperson die “Kameradschaft Regensburg” und gehört dazu der ultravölkischen “Burschenschaft Teutonia Prag zu Regensburg” an.

Kristallisationspunkt “Aktionsbüro Süddeutschland”

Das “Aktionsbüro Süddeutschland” wurde außer von Michael Müller, Constantin Schuldt ( “Kameradschaft Traunstein”), dem ehemaligen Bundesgeschäftsstellenleiter des “Kampfuund Deutscher Sozialisten” (KDS) Peter Habermann (“Kameradschaft Garmisch-Partenkirchenj vor allem auf Initiative des ehemaligen Lüdenscheiders Rainer Mehr, von Norman Bordin (vormals Geldern und Velbert) und von Martin Wiese (vormals Pasewalk, “Kameradschaftsbund Anklam”, KBA) gegründet. Bordin war 1999 vom nordrhein-westfälischen Velbert aus zuerst nach Freilassing gezogen und lebt heute in Ottobrunn bei München. Martin Wiese zog im Jahr 2000 von Mecklenburg- Vorpommem nach Gräfelfing, später dann nach München. Schnell kristallisierte sich heraus, dass der ursprüngliche Plan, in ganz “Süddeutschland” den Aufbau von “Kameradschaften” zu unterstützen bzw. bestehende unter ihrer Führung zu organisieren, nicht funktionierte. Allerdings gelang und gelingt es bis heute, in München und Oberbayern zahlreiche Cliquen und Einzelpersonen zu sammeln. Die “Führer” der “Kameradschaft München”, Bordin und Klettenhofer, leiten gleichzeitig den “Stützpunkt München” des “Kampfbundes Deutscher Sozialisten” (KDS), bei dem auch Fred Eichner (München), ehemals Bundesvorsitzender des “Nationalen Blocks” (NB) mitmischt. “Kameradschaft Süd” und “Kameradschaft München” führten und führen zahlreiche Aufmärsche und Kundgebungen durch. Saalveranstaltungen und “Liederabende” gehören genauso zum Programm wie Busfahrten zu Großaufmärschen, beispielsweise am 1. Mai 2004 nach Berlin oder zu den “Rudolf-Heß-Gedenkmärschen” ins nordbayerische Wunsiedel. Als Referent wurde auch der bundesweit bekannte Szene-Anwalt Günther Herzogenrath-Amelung (Regensburg) für eine so genannte Rechtsschulung eingeladen. Herzogenrath- Amelung, ehemals für die “Nationalistische Fronf” (NF) aktiv, war zuletzt in den Prozessen gegen die “Skinheads Sächsische Schweiz” in Erscheinung getreten.

Zur besseren Koordination gründeten die in Franken tätige “Fränkische Aktionsfront (FAF)” unter Matthias Fischer (heute im NPD-Landesvorstand) und das “Aktionsbüro” im Jahr 2003 die gemeinsame “Dachorganisation” “AG Bayern”. Im Grundsatzpapier heißt es, man wolle “bayernweit regional aktive Gruppen und Einzelpersonen vereinen und gemeinsam eine Art Maßnahmenkatalog erarbeiten, der den Umgang mit elementaren Themen, z.B. Gespräche mit Staats- und Verfassungsschutz, Antifa usw. regeln soll”. Außerdem solle es gegenseitige Hilfestellung bei Aktionen geben. Schwerpunkt der FAF war die “Anti- Antifa”-Arbeit, nicht zuletzt praktiziert von Norman Kempken aus Nürnberg, Macher der 1993 erschienenen bundesweiten “Anti-Antifa”-Broschüre “Der Einblick”. Diese Vorliebe deckte sich mit den Interessen der Rechtsterroristen um Martin Wiese, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls eine eigene “Anti-Antifa”-Struktur aufgebaut hatten, unter Leitung von Kathrin Quaißer, Monika Stillger und des V-Mannes Didier Magnien (bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz). In der “AG Bayern” waren, Aussagen im derzeit laufenden Strafprozess gegen die Wiese-Gruppe zufolge, auch die NPD Ober- und Niederbayern sowie Roland Wuttke (Mering) mit seiner Initiative “Demokratie direkt” vertreten. Die “AG Bayern” plante für November 2003 in ganz Bayern einen “Aktionstag gegen Sozialabbau”, in dessen Organisation u.a. auch Uwe Meenen (“Deutsches Kolleg”, Würzburg), die “Kameradschaft Donaufront” und das “Bündnis Nationale Opposition Augsburg” (NO) eingebunden waren. Und ebenso die “Deutsche Partei” (DP). Im Gegensatz zu der DP-Bundesführung um Heiner Kappel sucht der bayerische Landesverband um seinen Landesvorsitzenden Ulrich Pätzold offensichtlich die aktive Zusammenarbeit nicht nur mit den REPs, sondern auch mit der NPD und den lokalen “Kameradschaften”. Ihr Hauptaktivist ist Willi Wiener aus Regensburg, der auf einem NPD-Aufmarsch gegen die “Wehrmachtsausstellung” im württembergischen Schwäbisch-Hall im Juni 2003 neben Martin Wiese sogar als Redner auftrat. Zuletzt demonstrierte er in den Reihen des “Aktionsbüro Süddeutschland” am 12. Dezember 2004 gegen ein alternatives Jugendzentrum in Dorfen. In Regensburg führt er dazu die “Kameradschaft Ratisbona Asgard” an.

Durch die Inhaftierungen im September 2003 im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die “Kameradschaft Süd” und durch das Verbot der FAF im Januar 2004 sind diese Kontakte nur oberflächlich betrachtet abgerissen. Die Bildung einer “nationalen Volksfront” setzt sich mit den gleichen Strukturen und Personen fort, und genau wie unter Wiese versucht die bayerische Neonazi- Szene derzeit verstärkt, “soziale Themen” zu besetzen und bei Aktionen, z.B. den Montagsdemonstrationen in München, zu provozieren oder sich einzureihen.

Die Sammlungsbewegungen des Roland Wuttke

Zu einer zentralen Figur der oberbayerischen Neonazis entwickelte sich in letzter Zeit der “Deutsche-Stimme”- Autor Roland Wuttke (Mering), der in München eine Computerhandels-GmbH betreibt. Vernetzte er sich 1997 noch in der “Deutschland-Bewegung” von Alfred Mechtersbeimer (Starnberg) und betrieb eine Kampagne gegen die damalige US-Kontrollstation in Bad Aibling, ist er heute bei fast jedem NPD-Infostand und den meisten Aufmärschen der “Freien Kameradschaften” zugegen. Zusammen mit Manfred Saur (Bezirksvorsitzender Schwaben der DP), Wolfgang Teufel (NPD, Augsburg) und anderen, vereinte er in Augsburg die Reste lokaler Organisationen von NPD, DVU, REP sowie Naziskins zum “Bündnis Nationale Opposition Augsburg”. Sein politisches “Credo” veröffentlichte er 2002 in “Nation & Europa”. Unter dem Motto “Bewegung statt Partei” warb er für die Zusammenarbeit aller rechten Kräfte von Nationalkonservativen der CSU über die REP bis zu den “Freien Kameradschaften”. Er hätte da keine “Kontaktallergien”, schrieb er, wobei hier anzumerken wäre, dass ihm vermutlich ideologische Unterschiede und diverse politische Differenzen innerhalb des rechten Spektrums schlichtweg unbekannt sind. Sein lokales “Volksfront”-Konzept stellte er auch anlässlich der Gründung des “Nationalen Bündnis Dresden” und in vielen anderen Städten der Bundesrepublik vor. “Zellenbildung auf lokaler Ebene” schlägt er darin vor, d.h. es seien zuerst parteiübergreifende Stammtische, später zumindest Infostände und Mahnwachen gemeinsam durchzuführen. Mit dem damaligen REP-Stadtrat Johann Pius Weinfurtner, Thomas S. Fischer vom Münchner CSU-Kreisverband und Gerhard Winterling (alle München) gründete er 2002 die “Bürgerinitiative” “Demokratie direkt e. V.”. Mit diesem “neutralen Namen” sollten auch “bisherige Wähler von rot-grün angesprochen werden”. Die “Demokratie direkt”-Infostände und -Mahnwachen (Themen u.a.: Irak-Krieg und Dresden-Bombardierung) wurden von vielen Neonazis unterstützt und durchgeführt, u.a. auch durch Sascha Wagner.

Wuttke schickte Martin Wiese gleich mehrfach als Stellvertreter zu den Behörden, Alexander Maetzing (bei dem der Sprengstoff TNT der Wiese-Gruppe gefunden wurde) bestimmte er offiziell als Versammlungsleiter. Stand in Augsburg anfangs eine antiislamische Hetze im Vordergrund (“Moscheebau”), bei der auch mit dem bundesweit aktiven und ultrarechten “Bundesverband der Bürgerbewegungen für die Bewahrung von Demokratie, Heimat und Menschenrechten” (BDB) von Wolfgang Schrauth (Thannhausen) kooperiert wurde, verlegte sich Wuttke in München auf die inhaltliche Klammer des Antisemitismus, sogar auf eine Zusammenarbeit mit arabischen Gruppen, z.B. dem “Deutsch-Arabischen Friedenswerk”. Hauptanliegen war nun der “Kampf’ gegen den Terror der USA” ( “Stoppt den usraelischen Terror”) und das neue Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde. Als “Bürger in Bewegung” veröffentlicht er auch Texte auf einer von Bordin betriebenen gleichnamigen Internetseite. Über die Publikation von “München direkt” und verschiedener Flugblätter versuchte sich Wuttke auch an der “Anti-Antifa”-Arbeit und veröffentlichte “Steckbriefe” prominenter Münchner Politiker und Linker. Derzeit versucht Wuttke verstärkt, die Neonazi-Szene in Regensburg mittels gemeinsamer Veranstaltungen und Mahnwachen zu sammeln. In seinem fanatischen Aktivismus verstrickt er sich (mal als “Freundeskreis von Demokratie Direkt”, mal als “Initiative Erinnern statt Heuchelei” oder als “AK Medien” etc.) allerdings immer mehr in seinen eigenen Verschwörungstheorien. Mahnwachenthemen waren beispielsweise “Stoppt den Terror durch Antifa!” (womit auch der Münchner Staatsanwalt August Stern gemeint war) und “Stoppt den Terror der Medien!”. Bei letzterer Aktion durften Bordin, Werlberger und Klettenhofer vor dem Gebäude der “Süddeutschen Zeitung” Schilder und Fackeln empor halten. Sein Versuch, am 9. November eine antisemitisch ausgerichtete Mahnwache in München durchzuführen, endete für ihn und Bordin allerdings im Polizeigewahrsam.

Gemeinsam mit dem aus Wien zugezogenen Lukas Frank (NPD Oberbayern) unterstützt Wuttke den insbesondere ältere “Kameraden” ansprechenden “Politischen Informationsclub (PIC)” bei der Organisation von Veranstaltungen. Altnazis treffen sich in München aber auch bei der “Stillen Hilfe” um Gudrun Burwitz, im “Münchner Bürgerverein”, im revanchistischen “Witikobund”, der hier seine Bundeszentrale hat und in der “Kameradschaft Freikorps- und Bund Oberland” mit Verbindungen zur “Landsmannschaft Ostpreußen” und zur “Burschenschaft Danubia”. Gerd Sudholt lädt zudem zu Veranstaltungen eines “Patriotischen Arbeitskreises Murnau” an den Staffelsee ein.

Weitere “Kameradschaften” und Sub/Jugend-Kultur

Für die Jüngeren haben sich in Ober-, Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz neben der dominierenden “Kameradschaft München” noch viele weitere Gruppen entwickelt: Im bayerischen Wald haust der “Bavaria Sturm”, in Niederbayern die “Kameradschaft Niederbayern” und die “Kameradschaften” aus Landshut, Passau und Straubing, der “Widerstand Erding” und die “Nationale Poinger Jugend” bei München, in der Oberpfalz “Ratisbona Asgard” in Regensburg und die “Weissen Wölfe” aus Roding und Cham. Im Schwäbischen treten zur Zeit die “Kameradschaft Härtsfeld” im Gebiet um Nördlingen, die “hatecrew Donauwörth”, die “Kameradschaft Augsburg”, “Voice of anger” in Memmingen und die “Kameradschaft Neu-Ulm” um Achim Kast (Roggenburg) auf. Die “Kameradschaft White Power Schwaben” aus Krumbach und Mindelheim, die auf den verbotenen Verein “Skinheads Allgäu 88 e.V.” und dessen Nachfolgeorganisation “Skinheads Schwaben” zurückgeht, verfügt in Mindelzell über eine größere Immobilie, in der es zu regelmäßigen Konzertveranstaltungen kommt. Größere unorganisiertere Szenen gibt es daneben im Raum Weilheim/Obb. und in Dillingen, wo auch der dreifache Mörder Leonhard Schmidt (Heidenheim) Ende 2003 unterkriechen konnte.

Diese Entwicklung wirkt sich auch auf die Subkultur und Infrastruktur der neofaschistischen Szene aus, und so gibt es in Schwaben, Ober- und Niederbayern heute zahlreiche Konzerte, eine ganze Reihe von Versänden, allerdings relativ wenige Bands. Ständige KonzertveranstaIter sind die “Weissen Wölfe” aus Roding, die mehrere Konzerte in Etzenricht organisierten. Konzertorte waren mehrfach auch die ehemalige Diskothek “Point” in Plattling und ein privates “Kulturhaus” in Wackersdorf. Zu den wenigen aktiven RechtsRock-Formationen gehören neben der Band “Faustrecht” um Norbert “Nogge” Lecheier (Mindelheim), “Edelweiss” / “Sturmflagge” / “Blutweihe” (alles Projekte um Christian Gross, Riemerling), der “Liedermacher” Michael Müller sowie Josef Klumb (“Von Thronstahl”, München). Bei den Versänden dominiert neben dem schon erwähnten “Schwarze Sonne-Versand” der in Geiselhöring bei Straubing mit Ladengeschäft und großem Gelände ansässige “Wikinger-Versand” von Siegfried Birl. Insbesondere die Frequentierung des dem Online-Shop angeschlossenen Forums durch Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet führte zu dessen heute hohen Bekanntheitsgrad – aber auch die Patentierung und der Vertrieb szenespezifischer Marken, z.B. von “masterrace”. Franz Glasauer aus Landshut (“Patria- Versand”), der bereits sowohl bei der NPD, als auch bei den REPs und der “Deutschen Liga für Volk und Heimat” aktiv war, verdient sein Geld durch die Markenrechte an “CoNSDAPle”- Bekleidung. Daneben werben zahlreiche Kleinversände um Kundschaft, z.B. “Streetfight records” von Stefan Bloemen aus Kissing, “Rebel Records” von Martin Seidel aus Haag, der “Nationalversand” von Matthias Polt (Murnau) und der “Balmung- Versand” im schwäbischen Wertingen. Aus Wertingen kommt auch ein Unikum der deutschen Nazi- Merchandising-Szene: Mit “88 girls wear” verkauft der “womansresist”-Versand (Fehler im Original) einer “Elisabeth Müller” speziell Bekleidung für die Nationalistin. Das “The fight goes on till the bloody end – 88!” -T-Hemd gibt es hier sogar wahlweise mit 3/4-Arm oder als “Spaghetti Träger Top”…

Für Jugendliche, die es konservativer wollen, stehen in Bayern diverse Orts- und Regionalgliederungen der völkischbündischen “Heimattreuen Deutschen Jugend” zur Verfügung. Reaktionäre Studenten zieht es zu der Münchner Burschenschaft “Danubia”, die dieses Jahr dem “Institut für Staatspolitik” Räumlichkeiten bot, zur ebenfalls in München ansässigen “Stauffia” mit besten Beziehungen zur “Kameradschaft München” oder zur schon erwähnten “Teutonia Prag zu Regensburg”. Auch die “Jungen Deutschen”, Jugendorganisation der “Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft” (BDVG), die in letzter Zeit mit Flugblattverteilungen in Erscheinung traten, böten sich an.

Fortführung des “Volksfront-Konzeptes”

Wie weit das “Volksfront-Konzept” bereits gediehen ist, zeigt nicht zuletzt der Auftritt des BDVG-Bundesvorsitzenden Lars Käppler als Redner auf einem NPD-Aufmarsch am 9. Oktober in Augsburg. Für 2. April 2005 ist er als Redner auf einem von Christian Worch und Norman Bordin geplanten Aufmarsch in München angekündigt. Hayo Klettenhofer nahm für die “Kameradschaft München” offiziell Kontakt zur von Gerhard Frey (Gräfelfing) geführten DVU auf, die in München-Pasing ihre Bundeszentrale hat. Und auch der greise Ex-REP-Bundesvorsitzende Franz Schönhuber (Weissach) will die rechte Zusammenarbeit noch einmal anschieben und initiierte dazu bereits ein Vortreffen für einen Anfang 2005 in Süddeutschland geplanten “Kongress deutscher Patrioten”. Wie hieß es doch im Wuttke- Text in der extrem rechten Monatszeitung “Nation & Europa”: “Patrioten sollen sich vernetzen. “