“Training für die WM”

Beim Fußballspiel des TSV 1860 gegen den FC Erzgebirge Aue zeigte das USK mal wieder seine Deeskalationsstärken.

“Massive Ausschreitungen” gab es im Gästeblock des Grünwalder Stadions, so die Münchner Polizei in ihrem Pressebericht, die “nur durch den Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray letztlich bereinigt werden” konnten. Danach waren das “vereinzelte Übersteigen” des Zauns sowie “aggressives Verhalten” gegenüber der Polizeipräsenz im Aue-Block Grund für Prügel, Pfefferspray und 14 Festnahmen.

Fans aus Aue stellen die Situation im Stadion jedoch anders dar. “Provokationen und Gewalt ging eindeutig von Seiten der Polizei aus”, meint der Fanbeauftragte Thomas Uebel in einem offenen Brief an die Münchner Polizei. Schon vor Beginn des Spiels wurden die Auer Fans ständig gefilmt und standen einer massiven USK-Präsenz im eigenen Block gegenüber. Auf die Frage nach dem Grund dieses Verhaltens antwortete ein USKler: “Wir proben die WM”. So liegt die Vermutung nahe, der Polizeieinsatz sei geplant gewesen. So wurde das Werfen von Schneebällen, das Anzünden von bengalischen Feuern oder das Besteigen des Zauns durch einen(!) Fan zum Anlaß genommen, gegen die Fans vorzugehen.

Räumung einer Party

Der Auer Fanbeauftragte möchte dieses Verhalten nicht auf sich sitzen lassen, und kündigte rechtliche Schritte gegen den verantwortlichen Einsatzleiter an.

Wir dokumentieren an dieser Stelle zwei offene Briefe des Fanbeauftragten des FC Erzgebirge Aue sowie die Presseerklärung der Münchner Polizei:

Offener Brief an das Münchner Polizeipräsidium

Sehr geehrte Damen und Herren!

In Anbetracht der bevorstehenden WM 2006 welche ja unter dem Motto “Bei Freunden zu Gast” steht, hege ich große Befürchtungen, daß dies von einigen Beamten in Bayern missverstanden wird und eher in “Willkommen im Knast” ausgelegt wird.

Zu der Annahme muß man kommen, da einige Beamte auf Nachfrage nach der gewählten Einsatztaktik an diesem Tag angaben, man bereite sich auf die WM 2006 vor. Sollte dies der Fall sein, kann ich ausländischen Fans nur raten keine Spiele in München zu besuchen.

Läßt man diese Äußerungen außer acht, muß man sich fragen aus welchen Grund diese Taktik gewählt wurde!

In meiner Erfahrung als Fußballfan und Fanbeauftragter habe ich nur in Burghausen (komisch auch in bayrischen Gefilden) schon mal ähnliches erlebt.

Mir bleibt jeglicher Sinn des Aufmarschierens der “schwarzen Garde” im Gästeblock verschlossen.

Interessant ist auch, dass man nachdem man sich als Fanbeauftragter ausgewiesen hat und nach der Einsatzleitung fragt Antworten bekommt wie “der ist nicht da”, “wir haben jetzt was anderes zu tun”, “das geht Dich nichts an”, “hau jetzt ab sonst nehm wir Dich auch gleich mit” usw., das nenne ich eine gute Zusammenarbeit und echtes Interesse an einer Deeskalation!

Warum sollte man auch mit mir zusammenarbeiten – die Übung 2006 muß ja weiterlaufen!

Ebenfalls weigerte man sich mir Dienstnummer oder Name zu nennen, nach denen ich fragte, als ich die angegebenen freundlichen Antworten der Beamten bekam!

Nachdem ich trotzdem zum Einsatzleiter vorgedrungen war, konnte man sich zunächst auf einen kleinen gemeinsamen Nenner einigen.

Der EINE!!!! Fan vom Zaun runter – dafür Abzug der Beamten vor dem Zaun.

Dies brachte sofort eine Entspannung der Lage, bis man vor Spielschluß wieder denselben sinnlosen Einsatz fuhr, diesmal noch begleitet von Pfeffersprayschwaden und dem Einsatz des Gummiknüppels.

Nach der Frage, nach dem Sinn dieses Einsatzes und warum die Beamten überhaupt in den Fanblock verlegt wurden folgende Antwort: “Wir sind hier in Bayern,wir machen das so wie wir das für richtig halten und wir machen das halt anders”

Dieser Satz eines Einsatzleiters spricht für sich und braucht nicht kommentiert zu werden.

Ich kann nur empfehlen sich mal bei seinen fränkischen Kollegen in Fürth zu erkundigen, wie man einen Fußballeinsatz fährt!

Bei fast der doppelten Anzahl Gästefans nicht eine Anzeige oder Festnahme und eine zurückhaltende, ja freundliche Polizei.

Der eine oder andere Beamte in München sollte sich wieder daran erinnern, daß auch ein Fußballfan ein Bürger ist, den er zu schützen hat, nicht zu provozieren oder zu schädigen und das man wie in Aue bei der Bezeichnung Gästefan die Betonung auf Gast legen sollte.

Ich hoffe, daß Sie diesen Tag auswerten und die richtigen Schlußfolgerungen ziehen, dann hätte der Einsatz ja doch noch einen kleinen positiven Aspekt.

MFG Th.Uebel

Pressebericht der Münchner Polizei vom 1.2.05

Zu massiven Ausschreitungen, ausgehend von den Fußballfans des FC Erzgebirge Aue, kam es beim 2.-Liga-Spiel gegen den TSV 1860 München am vergangenen Freitag, 28.01.2005, im Stadion an der Grünwalder Straße. Die meisten dieser Fans reisten mit Bussen nach München und waren bereits beim Eintreffen am Fußballstadion stark alkoholisiert. Bereits auf dem Weg dorthin machten die Auer durch Eintreten einer Glaseingangstür in der Tegernseer Landstraße, dem Zertrümmern von Bierflaschen und dem Urinieren an den Gebäuden von sich reden. Die entsprechenden Fangruppen wurden durch starke Polizeikräfte begleitet, womit weitere, gleichgelagerte Taten verhindert werden konnten.

Da der Münchner Polizei bekannt war, dass einige Fans des FC Erzgebirge Aue zu Spielbeginn öfter pyrotechnische Gegenstände abbrennen würden und nicht an die Anordnungen des Ordnungspersonals halten würden, wurden von der Einsatzleitung vermehrt Polizeikräfte in den beiden Fanblocks postiert. Von Seiten der Auer Anhänger wurde versucht, diese polizeiliche Präsenz im Fanblock zu verhindern. Vereinzelt gelang es ihnen, die Umzäunung zum Stadioninnenraum zu übersteigen, was polizeiliche Maßnahmen nach sich zog. Die eingesetzten Kräfte wurden dabei von einer größeren Personengruppe massiv bedrängt, geschlagen, getreten sowie mit Schnee und Eisbrocken beworfen. Dieses aggressive Verhalten setzte sich über einen längeren Zeitraum fort und konnte nur durch den Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray letztlich bereinigt werden.

Erfreulicherweise verhielt sich der größte Teil der Gäste besonnen. Es konnte im Fanblock sogar beobachtet werden, dass sich ein Grossteil angereister Fans von dem gewalttätigen Verhalten der anderen durch Abrücken in andere Blockbereiche distanzierten. In der zweiten Halbzeit versuchte eine Gruppe von ca. 50 Fans unmittelbar nach Spielende ein in den Stadioninnenraum führendes Metalltor aufzudrücken, was ihnen letztlich auch gelang. Auch hier mussten starke Polizeikräfte das Tor sichern, um ein Eindringen der Gästefans in den Stadioninnenbereich zu verhindern. Insgesamt kam es zu 17 freiheitsentziehenden Maßnahmen, wobei 14 Maßnahmen gegen Fans des FC Erzgebirge Aue getroffen wurden. Bei den Fans mussten vier Messer, sechs Bierflaschen sowie zwei pyrotechnische Gegenstände sichergestellt werden.

Stellungnahme zum Münchner Polizeibericht

Aue, 02.02..2005

Als erstes muß ich meine Verwunderung zum Ausdruck bringen, dass der Polizeibericht am Dienstag, 1.2.05 also 4 Tage nach dem Spiel und erst nachdem mein Brief in München war veröffentlicht wurde. Schon der erste Satz von schweren Ausschreitungen ist wohl völlig überzogen und maßlos!

Da ich leider selbst schon schwere Ausschreitungen beim Fußball erleben musste, wie zum Beispiel in der Saison 91/92 in Zwickau oder regelmäßig in Dresden, weiß ich wovon ich spreche – dies mit den Vorfällen in München zu vergleichen ist ein Hohn für alle Fans!

Das Fans nach teilweise bis zu 7 Stunden Fahrt alkoholisiert am Stadion eintreffen, dürfte selbst für die Münchner Polizei nichts Neues sein – ich kann Ihnen versichern, Ihre Fans sahen in Aue nicht anders aus bei ihrer Ankunft zum Spiel!

Es entspricht nicht der Warheit, dass die Fans von den Bussen zum Stadion begleitet wurden, dies war schon nicht möglich, da die Busse zu verschiedenen Zeiten eintrafen und die Fans an unterschiedlichen Orten ausstiegen, da die Organisation und das Abstellen der Busse bei weitem nicht so klappte wie vorher angekündigt.

Die kaputte Glasscheibe trifft sicherlich zu, wobei nicht geklärt ist, ob dies durch einen Auer Fan geschah, bzw. mutwillig zerstört wurde.

Ob man ein paar kaputte Bierflaschen als schwere Ausschreitungen bezeichnen sollte wage ich zu bezweifeln – sie wurden weder geworfen noch zertrümmert, sind den wie sie ja bemerkten, alkoholisierten Leuten aufgrund ihres Zustandes einfach aus der Hand gefallen – so was soll dem ein oder anderen sogar schon im nüchternen Zustand zuhause passiert sein – Ausschreitungen?? – Fehlanzeige!!

Das urinieren an Gebäude ist sicherlich nicht ästhetisch – nach mehreren Stunden im Bus – teilweise ohne Toilette – Stau und so weiter aber verständlich – deswegen heißt es ja auch Notdurft, da halt eine Not vorliegt. Da keine Toiletten in Sicht waren und die Wartezeit am Einlaß bis zu 30 min betrug also auch verständlich – im Höchstfall eine Ordnungswidrigkeit aber keine schwere Auschreitungen!!

Zu den Vorfällen im Block habe ich mich schon geäußert- Provokationen und Gewalt ging eindeutig von Seiten der Polizei aus.

Besonders verwerflich finde ich die Darstellung, dass unseren Fans 4 Messer abgenommen wurden und damit assoziiert werden soll, dass man vorhatte damit Straftaten zu begehen. Das dies lediglich normale Taschenmesser waren – teils bei Leuten mittleren Alters – welche sich die Messer nach dem Spiel wieder abholen konnten wird nicht erwähnt.

Ja und dann 2 Knaller und 6 Bierflaschen gefunden – bei 3000 Fans – das riecht wirklich geradezu nach schweren Ausschreitungen! (Vorsicht Ironie)

Zu allen anderem habe ich schon im ersten Brief Stellung bezogen.

Ich werde die Sache nicht auf sich beruhen lassen, da Sie offensichtlich nicht gewillt sind ernsthaft über Ihre Vorgehensweise nachzudenken.

Ich werde von so vielen Zeugen wie möglich Aussagen sammeln und gegebenenfalls eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den verantwortlichen Einsatzleiter einreichen, der durch seine Befehle nicht nur unseren Fans sondern auch seinen im Einsatz befindlichen Beamten geschadet hat.

Zum Schluß möchte ich meine Aussagen noch damit schließen, dass es keinerlei Anlaß gab überhaupt ein derartiges Polizeiaufgebot zu stellen, da die Fans von 1860 und Aue weder verfeindet sind und es weder in Aue noch in München zu Zwischenfällen zwischen den Fans kam – im Gegenteil sowohl vor als auch nach dem Spiel feierten beide Fangruppen gemeinsam friedlich in den umliegenden Kneipen und der Innenstadt. Es hätte also ein schöner Fußballtag sein können trotz Niederlage….

Mit freundlichen Grüßen

Th.Uebel