Münchner Nazis auf Provokations- und Angriffskurs?

Nach der Auseinandersetzung zwischen AntifaschistInnen und Neonazis am Mittwochabend in München reagieren Letzte mit Flugblättern und Mahnwachen.

Die FaschistInnen um Noman Bordin stellen sich – wie der Polizeimitteilung (die sich vermutlich ausnahmnslos auf die Aussagen der “Geschädigten” stützen dürfte) und somit auch der bürgerlichen Presse, aber auch einschlägigen Naziseiten zu entnehmen ist, voll und ganz als Opfer dar.

Keine Ahnung.

Bisher kennen wir vor allem die Berichte des Polizeipräsidiums und der bürgerlichen Medien, und unzählige Beispiele zeigen, dass sich das Berichtete oft völlig anders zugetragen hat. Natürlich könnte es so gewesen sein, wie wir es etwa dem Münchner Merkur entnehmen konnten – muss es aber nicht.

Dass es beim Aufeinandertreffen zwischen NeofaschistInnen und Antifas zu Provokationen und auch Handgreiflichkeiten kommen kann, sollte nicht verwundern, insofern sind zwei Verletzte Nazis – gemessen an anderen Auseinandersetzungen dieser Größenordnung – eher wenig. Polizei und Presse machten daraus jedoch eine “Attacke” (wie im Übrigen der/die anonyme ZusenderIn des diesem Artikel zugrundeliegendem Kurztextes auch!).

Auch die Tatsache, dass achtzehn Leute (von denen nicht bekannt ist, ob und wie sie an der Auseinandersetzung beteiligt waren) von der Polizei festgenommen wurden, spricht nicht unbedingt für eine derart organisierte Aktion, wie Polizei und Presse dies darstellen. Wie immer sollten Informationen von Polizei und bürgerlicher Presse auch in diesem Fall mit Vorsicht “genossen” werden.

Ein Vergleich der Reaktionen der Polizei auf derartige Vorfälle zeigt dagegen, dass gegen die AntifaschistInnen mit unvergleichlicher Härte vorgegangen wurde. Die Neonazis, die vor mehreren Jahren einen Antifaschisten den Schädel eingetreten hatten, saßen gerade mal drei Stunden im Polizeipräsidium in der Ettstraße, von Hausdurchsuchungen (mit gezogener Waffe) wurde damals nichts berichtet.

Reaktionen der Nazis

Unter der Überschrift: “Von nun an wird zurückgeschossen!” wurde auf einer Münchner Nazihomepage nun ein Aufruf veröffentlicht, der ankündigt, die Namen der an dem Vorfall beteiligten Antifas zu veröffentlichen, um einen öffentlichen “Gegendruck” zu erzeugen.

Am vergangenen Freitag hielten die RechstextremistInnen vor dem Justizgebäude Prielmayerstr. eine Mahnwache ab, bei der gegen den “Terror” durch “Justiz”, “Polizei” und “Antifa” protestiert wurde. Dass die Namen der an der Auseinandersetzung beteiligten AntifaschistInnen veröffentlicht werden, um Gleichgesinnten ein Angriffsziel zu bieten, ist zu erwarten.

Bereits am Wochenende davor waren am Marienplatz Flugblätter aufgetaucht, auf denen unter der Überschrift “Vorsicht! Gefährliche Linksextremisten”(!) Namen von AntifaschistInnen veröffentlicht werden, die sich an Protesten gegen Nazimahnwachen beteiligt hatten. Presserechtlich verantwortlich zeichnet Roland Wuttke vom “Freundeskreis Demokratie direkt”.

Darin präsentieren die FaschistInnen eine absurde Verschwörungstheorie, der zufolge es eine “offenkundige” bzw. “enge Zusammenarbeit” zwischen KVR, Münchner Medien und “gewaltbereiten Linksextremisten” zum Nachteil “junger Deutscher” gebe. Auch die Namen missliebiger SZ-RedakteurInnen werden genannt.

Doch damit nicht genug. Dem Münchner Oberstaatsanwalt Stern wird “Zuspruch” zu “Gewaltverherrlichung und Volksverhetzung” unterstellt, weil dieser ein Verfahren gegen AntifaschistInnen wegen eines “Bomber Harris”-Transparents eingestellt hatte.

Anderswo wundert sich der Nachfolger von Martin Wiese, Norman Bordin, darüber, dass “von einer geplanten Lichterkette der Landeshauptstadt München […] nichts bekannt” sei (!??!!).

In ihrer Erklärung im Web stellen die NeofaschistInnen fest, dass sie “eine Schlacht verloren haben, aber nicht den Krieg!!!”. Natürlich wird im Netz nicht zu gewalttätigen Übergriffen aufgerufen – offiziell wird der Sinn solcher Aktionen in Frage gestellt – , da die beiden Tage um den 9. November für die Münchner FaschistInnen (mit mehreren Gewahrsamnahmen und zwei Verletzten) jedoch alles andere als “ruhmreich” waren, ist auch mit gewaltsamen Aktionen der Nazis durchaus zu rechnen und somit Vorsicht geboten.